Gemeinsam ermöglichen wir mit Bürgeraktien ökologische, regionale Lebensmittel von Hof und Acker der Bauern auf den Teller.

Haus Bollheim Beispiel der Regionalwert-Leistungsrechnung im Rheinland

Das regiosöl Projekt wurde im Februar 2020 vom Institut für ländliche Strukturforschung IFLS zusammen mit den Verbundpartnerinnen Regionalwert AG Rheinland und dem Zentrum für Ökologische Landwirtschaft in Kooperation mit der Ökolandbaumodellregion Nordhessen gestartet. Am Beispiel von dem Partnerbetrieb Haus Bollheim der Regionalwert AG Rheinland stellten wir in einer online Veranstaltung mit Christian Hiß das Ergebnis der Leistungsrechnung vor. Die Berechnung anhand eines online Tools wurde im Rahmen des regiosöl-Projekts gefördert. Die Auswertung von bis zu 200 Daten (in etwa 3-4 Stunden) bietet ein umfangreiches und anschauliches Ergebnis – mit der Regionalwert-Leistungsrechnung nun auch die monetäre Bewertung der ökologischen, sozialen und regional-ökonomischen Leistungen. Haus Bollheim erreicht hier einen Wert von 331.530 Euro, berechnet auf der Grundlage von Buchführungsergebnissen. Das passt zum vielfältigen Engagement für Artenvielfalt, Getreidezüchtung, Bruderhahn, Zweinutzungstiere, artgerechte Tierhaltung mit Weidegang, Käserei und Hofbäckerei, lokale Vermarktung der demeter Produkte. Eine leistungsgerechte Bezahlung wird damit transparent – für bio und konventionell.

Es wurden zunächst verschiedene Tools zur Nachhaltigkeitsbewertung von landwirtschaftlichen Betrieben ausgewertet: Die Regionalwert-Nachhaltigkeitsanalyse und –Leistungsrechnung, die von der Regionalwert AG Freiburg entwickelt wurden, haben sich als besonders geeignet und einfach zu bedienen erwiesen. Deswegen stehen die Regionalwert-Instrumente nun im Zentrum eines neuen Arbeitspaketes des Projekts: der Erfassung und Auswertung der Nachhaltigkeitsdaten von 100 landwirtschaftlichen Ökobetrieben in den Pilotregionen des Projekts!

Bei der Regionalwert-Nachhaltigkeitsanalyse (RWNA) handelt es sich um einen Selbstcheck, bei dem bis zu 200 Kennzahlen in den Dimensionen Ökologie, Soziales und Regionalökonomie abgefragt und ausgewertet werden. Für die Betriebsleitung ergeben sich so wertvolle Hinweise, wo der eigene Betrieb bereits gut abschneidet oder wie bestimmte Bereiche verbessert werden können. Durch die Regionalwert-Leistungsrechnung (RWLR) erhält der Betrieb zusätzlich einen monetären Nachweis über die erbrachten sozialen, ökologischen und regionalökonomischen Leistungen. Aufgrund dieser herausragenden Eigenschaften sollen die beiden Regionalwert-Instrumente nun im weiteren Projektverlauf genutzt und weiterentwickelt werden.

Konkret sind die Ziele der Kooperation die Überprüfung und Anpassung der RWNA und RWLR auf Basis von je ca. 50 Ökobetrieben in den zwei Pilotregionen Rheinland und Nordhessen. Es soll ein umfassendes Bild der Nachhaltigkeitsleistungen dieser Betriebe in Abhängigkeit von ihrer Größe und ihren Betriebszweigen geschaffen werden. Gleichzeitig werden die im regiosöl-Projekt entwickelten zusätzlichen sozial-ökologischen Indikatoren getestet. Neben den Beiträgen zur betrieblichen Nachhaltigkeit sollen so auch die gesellschaftlichen Leistungen erfasst werden, die Bio-Betriebe im Ökolandbau erbringen, beispielsweise beim Erhalt von Kulturerbe oder ihrem Beitrag zum Landschaftscharakter, zur Naherholung oder zur Gesundheitsförderung. Im regiosöl-Projekt werden diese Daten im nächsten Schritt auch für eine Erfassung der Leistungen von Biobetrieben auf der regionalen Ebene betrachtet.

Erste Ergebnisse aus der Regionalwert-Nachhaltigkeitsanalyse konnten wir mit dem Beispiel von Haus Bollheim in der Veranstaltung am 09. März 2021 vorstellen, siehe Youtube Video auf unserem Regionalwert Rheinland Youtube Kanal. Mit der monetären Berechnung der gesellschaftlichen Leistungen, auf der Grundlage von Buchführungsergebnissen und betrieblichen Erhebungen in den “Richtig Rechnen” Projekte den Regionalwert AG Freiburg kommt nun eine neue Dimension dazu. Damit wird eine leistungsgerechte Auszahlung von beispielsweise Förderungen möglich.

Die folgende Abbildung ist das Ergebnis der online verfügbaren Regionalwert-Leistungsrechnung von der Regionalwert-Leistungen GmbH aus Freiburg, hier am Beispiel des Betriebes Haus Bollheim. Das Ziel der Bilanzierung: Nach den strengen Richtlinien der HGB Rechnungslegung wird hier eine Bilanz von gesellschaftlichen Leistungen auf der Grundlage von Buchführungsergebnissen mit zusätzlichen Erhebungen von Arbeitszeiten und Kosten berechnet. Dafür wurde Christian Hiß nominiert für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021.

Was man in der Abbildung sieht: Haus Bollheim ist ein besonders nachhaltig wirtschaftender demeter Betrieb, mit organischem Kreislauf auf 220 ha, 80 Menschen in (Teilzeit-)Arbeit, Milchvieh, Hühner, Ackerbau, Gemüseanbau von über 40 Sorten, regenerativer Energie, regionaler bzw. lokaler Vermarktung und hofeigener Verarbeitung in der Käserei und Bäckerei – vielfach ausgezeichnet für Biodiversität, eigene Getreide-Saatgutzucht und gesellschaftlichem Engagement. Das macht sich bemerkbar. Die gesellschaftlichen Leistungen betragen 331.530 Euro. Die Subventionen der EU-Agrar-Förderung liegen aber nur bei etwa 120.000 Euro. Eine Unterdeckung von etwa 200.000 Euro.